Lokale Produzenten

Vom Hof auf den Teller: Die Produzenten des Gsiesertals

Vom Hof auf den Teller: Die Produzenten des Gsiesertals

Im Gsiesertal ist „regional“ keine Marketingfloskel, sondern eine Adressliste. Der Käse auf dem Frühstückstisch kommt aus St. Magdalena, das Bauernbrot aus dem Nachbarort Taisten, das Kräuteröl aus Pfalzen und der Lachs aus Niederdorf — geräuchert auf 1.200 Metern, nicht irgendwo an einer Küste. Wer im Tal Urlaub macht, kann die Menschen hinter diesen Produkten besuchen, ihnen bei der Arbeit zusehen und direkt beim Hof kaufen. Dieser Guide stellt die wichtigsten Produzenten vor.

Käse: Drei Betriebe, drei Handschriften

Waldsamerhof — die Hofkäserei in St. Magdalena

Der Waldsamerhof liegt mitten in St. Magdalena und ist ein echter Bauernhof: Kühe im Stall, Wiesen rundum, und dazwischen eine kleine Käserei, in der die Milch der eigenen Tiere verarbeitet wird. Das Ergebnis sind Käse und Milchprodukte, die man so nur hier bekommt — vom jungen Weichkäse bis zum gereiften Schnittkäse, dazu Joghurt und Butter. Im Hofladen kann man kaufen, was gerade da ist. Mehr Nähe zwischen Produktion und Teller geht nicht: Die Kuh steht praktisch neben dem Verkaufstresen.

Capriz Feinkäserei — die Käse-Erlebniswelt in Vintl

Im Pfunderertal bei Vintl hat die Capriz Feinkäserei eine eigene Welt um den Ziegenkäse gebaut. Die Feinkäserei veredelt Ziegenmilch zu Spezialitäten vom Frischkäse bis zum Hartkäse — und zeigt in ihrer Erlebniswelt, wie das funktioniert: Schaukäserei, Verkostung, Geschäft. Capriz ist der Beweis, dass Käse aus Südtirol weit mehr sein kann als der klassische Graukäse. Ein Ausflug lohnt sich besonders für Familien, denn hier sieht man den ganzen Weg von der Milch ins Regal.

Genussbunker — Affinage in Montal

Der eigenwilligste Käsebetrieb der Region steckt unter der Erde: Der Genussbunker in Montal nutzt einen Bunker aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs als Reifekeller. In den dicken Betonwänden herrschen konstante Temperaturen und eine Luftfeuchtigkeit, die man nicht bauen könnte — perfekt für die Affinage, die Kunst der Käsereifung. Hier werden Käselaibe gepflegt, gedreht und über Monate zu Charakterkäsen gebracht. Führungen und Verkostungen gibt es nach Vereinbarung; wer einmal in dem Bunker zwischen den Regalen stand, versteht, warum Käse ein Handwerk ist und kein Industrieprodukt.

Stachabroat — das Bauernbrot von Taisten

Gleich am Taleingang, auf dem Stachahof in Taisten, wird Brot gebacken, wie es in Südtirol Tradition hat: Bauernbrot aus Sauerteig, mit Vollkorn und Geduld. Stachabroat steht für das alte Backhandwerk, das hier nie ausgestorben ist — früher wurde im Tal einmal pro Woche im Backofen des Hofs gebacken, heute geht das Bauernbrot von Taisten über den Hofladen und die Märkte der Umgebung in die Küchen der Region. Dazu gibt es weitere Backwaren. Ein Laib Stachabroat ist übrigens das ideale Mitbringsel: Er hält tagelang frisch und schmeckt nach mehr als nach Brot.

Regiohof — der Garten von St. Magdalena

Auf dem Regiohof in St. Magdalena wächst, was aus Beeren, Früchten und Kräutern werden kann: Marmeladen und Konfitüren, Sirupe, Kräuterprodukte und — für die Schnapskunde — Grappa. Der Hof verarbeitet, was Garten und Bergwiesen hergeben, zu kleinen Gläschen voller Konzentrat des Tals. Besonders beliebt sind die Sirupe, die am Frühstücksbuffet vieler Beherbergungen der Umgebung stehen, und die Kräutermischungen. Der Regiohof ist der beste Beweis dafür, dass ein Bergbauernhof heute von Vielfalt lebt — und dass „Regio“ hier wörtlich gemeint ist.

Bergila — die Kräuterapotheke von Pfalzen

Die Familie Bergila in Pfalzen arbeitet seit Generationen mit den Kräutern der Bergwelt. Auf den eigenen Feldern und in der Destillerie entstehen ätherische Öle, Kräuterprodukte und Tees — vom Latschenkieferöl, das in jeder guten Sauna der Region dampft, bis zu Mischungen aus Johanniskraut, Arnika und Zirbe. Bergila steht für kontrollierte, naturnahe Qualität und für Wissen, das über Jahrzehnte gewachsen ist: Wann man erntet, wie man destilliert, welcher Halm was kann. Wer im Urlaub in der Sauna den kräftigen Duft der Latschenkiefer atmet, hat Bergila erlebt, ohne es zu wissen.

Salmone Dolomiti — Lachs aus den Bergen

Lachs aus dem Pustertal? Genau. In Niederdorf räuchert Salmone Dolomiti Lachs inmitten der Dolomiten — in der Höhe, mit Bergluft und viel Handarbeit. Das Ergebnis ist ein geräucherter Lachs von besonderer Feinheit, der längst in den besten Küchen Südtirols liegt. Die Idee klingt ungewöhnlich, funktioniert aber glänzend: Qualität entsteht eben dort, wo jemand sie ernst nimmt — notfalls auch 1.000 Kilometer vom Meer entfernt.

Direkt beim Produzenten kaufen

Die meisten Betriebe verkaufen direkt ab Hof. Ein paar praktische Hinweise:

  • Vorher anrufen: Höfe sind Arbeitsbetriebe, keine Geschäfte mit festen Zeiten. Ein kurzer Anruf erspart beiden Seiten Umwege.
  • Bar bezahlen: Nicht jeder Hofladen hat ein Kartenlesegerät.
  • Saisonalität beachten: Marmelade gibt es, wenn die Früchte reif waren. Käse braucht Reifezeit. Was da ist, ist da — und genau das macht es ehrlich.
  • Fragen stellen: Alle genannten Betriebe erzählen gern, wie sie arbeiten. Meistens kommt man mit einer Frage herein und mit einer halben Hofbesichtigung heraus.

Warum das auf dem Teller schmeckt

Kurze Wege sind keine Romantik, sondern Chemie: Käse, der nicht durch Europa gefahren wurde, Brot, das gestern im Ofen lag, Kräuter, die im eigenen Garten geschnitten wurden — das schmeckt man. In der Küche des Hotels Quelle landen die Produkte der Talerzeuger dort, wo sie hingehören: auf den Teller, ohne Umweg. Und wer nach Hause fährt, nimmt mit einem Laib Stachabroat und einem Glas vom Regiohof ein Stück Tal mit, das im eigenen Kühlschrank weiterwirkt.