Outdoor im Gsiesertal: Skitouren, Langlauf und Wandern durchs Jahr
Manche Täler haben eine Saison. Das Gsiesertal hat vier. Es gibt keine Gondelbahn, kein Skigebiet vor der Haustür — und gerade deshalb gehört das Tal zu den ehrlichsten Revieren Südtirols für alle, die sich lieber selbst bewegen, als bewegt zu werden. Dieser Guide ordnet das Aktivjahr: vom ersten Loipenschwung im Dezember bis zur letzten goldenen Lärche im November.
Winter: Langlauf als Landesart
Das Gsiesertal ist Langlaufgebiet aus Überzeugung. Von Taisten über St. Martin bis hinauf nach St. Magdalena und ins hintere Tscharniet zieht sich das Loipennetz — rund 30 Kilometer klassisch und skating gespurt, durch offene Wiesen und entlang des Gsieser Bachs. Die Loipen sind breit, sonnig und meist ruhig; wer hier seine ersten Schritte auf schmalen Skiern macht, hat Platz und keine Angst vor dem Gegenverkehr.
Der Höhepunkt des Winters ist der Gsiesertal-Lauf im Februar: Einer der größten Volkslangläufe Italiens, mit tausenden Startern auf den Distanzen für Sportliche und Genießer, klassisch und skating. An diesem Wochenende steht das ganze Tal an der Strecke — und wer als Gast dabei ist, versteht, warum Langlauf hier Volkssport ist und nicht Trendsport.
Skitouren und Skigebiete
Für Skitourengeher ist das Tal ein stiller Glücksfall. Die Hausberge — etwa der Hohe Mann oder der Rotlahner — sind klassische Tourenziele mit langen, ruhigen Aufstiegen und Abfahrten durch unberührte Hänge. Wer höher hinaus will, findet in den Villgratner Bergen am Talende Touren bis weit über 2.500 Meter. Gemeinsam ist allen: keine Lifte, keine Pisten, keine Menschenmassen. Dafür gilt hier umso mehr, was überall am Berg gilt — Lawinenlage prüfen, Ausrüstung komplett, im Zweifel mit Skiführer gehen.
Wer Pistenskifahren sucht, sitzt im Gsiesertal trotzdem richtig: Der Kronplatz bei Bruneck, Südtirols Skiberg Nummer eins mit über hundert Pistenkilometern, ist in etwa einer halben Stunde erreicht. Auch das Gebiet 3 Zinnen Dolomites bei Sexten liegt in Tagesausflugnähe. So kombiniert das Tal das Beste aus beiden Welten: Skitag am großen Berg, Stille am Abend.
Der leise Winter
Neben den Brettsportarten hat der Winter hier eine zweite, leisere Seite. Schneeschuhwandern ist die stillste Art, das verschneite Tal zu erkunden — etwa von St. Magdalena in Richtung der alten Stadel von Kalkstein. Geräumte Winterwanderwege verbinden die Ortsteile, und auf den Naturrodelbahnen der Umgebung geht es rasant wieder ins Tal. Wer mag, beendet den Tag im warmen Wasser mit Blick auf die Berge, durch die er tagsüber gelaufen ist.
Sommer: Wandern von Alm bis Gipfel
Von Juni bis September ist das Tal ein Wandergebiet mit allen Schwierigkeitsgraden. Drei Etagen strukturieren das Angebot:
- Das Tal: Der Talblickweg auf der Sonnenseite verbindet Höfe und Aussichtspunkte in Gehweite von St. Magdalena — ideal für den Anreisetag und für alle, die ohne Höhenmeter wandern wollen.
- Die Almen: Über die Wiesen und Zirbenwälder erreicht man die bewirtschafteten Almen, wo im Sommer Käse und Buttermilch direkt aus dem Stall kommen. Im Juni und Juli blühen die Almrosen und färben ganze Hänge rot.
- Die Gipfel: Rotlahner und Hoher Mann sind die Hausberge mit großem Fernblick; der Schwarzsee liegt still in seinem Kar oberhalb von St. Magdalena. Ganz in der Nähe warten die Klassiker: die Plätzwiese mit Blick auf Dürrenstein und Hohe Gaisl und der Tag an den Drei Zinnen.
Rad, Wasser und Luft
Das Gsiesertal ist auch ohne Wanderschuhe aktiv. Mit dem E-Bike fährt man von St. Magdalena gemütlich ins Tal und weiter auf den Pustertalradweg Richtung Bruneck oder Innichen — bergab geht es fast von selbst, bergauf hilft der Motor. Am Gsieser Bach stehen Fliegenfischer im klaren Wasser, Reiter finden im Tal ihre Höfe, und vom Kronplatz starten Tandemgleitschirme in die Thermik über dem Pustertal. Wer es ruhiger mag, spielt eine Runde Minigolf, schwimmt oder macht schlicht: nichts. Auch das ist eine Sportart.
Herbst: die stille Saison
Im Oktober verfärben sich die Lärchen golden, die Kühe kommen geschmückt von den Almen, und das Tal gehört wieder denen, die es das ganze Jahr bewohnen. Es ist die vielleicht schönste Zeit für alle, die wandern wollen, ohne jemandem zu begegnen — bei klarem, kaltem Licht und dem ersten Schnee auf den Gipfeln.
Und das Frühjahr?
Der April und der Mai sind die unterschätzten Monate. Unten im Tal und am Pustertalradweg ist es längst grün und warm, während die Loipen im hinteren Tal oft bis Ostern Schnee tragen — manchmal beginnt der Tag auf Langlaufskiern und endet mit dem ersten Radkaffee in der Sonne. Im Mai wagen sich die ersten Wanderer auf die sonnigen Höhenwege, und die Wiesen blühen so üppig wie sonst nie. Wer es ruhig mag und flexibel im Termin ist, findet im Frühjahr das Tal fast für sich allein.
Was Sie mitbringen sollten
- Festes, eingelaufenes Schuhwerk — die Wege sind gut, aber es sind Bergwege.
- Schichten statt dicker Jacke: Im Tal Sommer, am Gipfel Frühjahr, am selben Tag.
- Im Winter: LVS-Ausrüstung für Skitouren (Leihgeräte vor Ort), Sonnenschutz auch im Schnee.
- Den Wetterbericht des Tages und den gesunden Respekt davor — die Provinzwetterdienste Südtirols sind zuverlässig.
Das Gsiesertal misst Aktivität nicht in Höhenmetern, sondern in Stunden draußen. Und davon gehen hier, egal zu welcher Jahreszeit, erstaunlich viele in einen einzigen Tag.