Der Pragser Wildsee vor dem ersten Licht
Es gibt Orte, die man nur einmal im richtigen Moment sehen muss, um sie nie wieder zu vergessen. Der Pragser Wildsee ist so ein Ort — vorausgesetzt, man kommt, bevor die Busse kommen. Wer den Wecker auf halb fünf stellt, wird mit einer Stille belohnt, die tagsüber unvorstellbar ist.
Die stille Stunde
In der ersten Dämmerung liegt der See regungslos da. Nebelschwaden ziehen über das Wasser, das noch keine Farbe hat. Dann, innerhalb weniger Minuten, trifft das erste Licht die Wand des Seekofels — und der ganze Kessel beginnt zu leuchten. Die Ruderboote am Ufer schaukeln kaum merklich. Man hört das eigene Atmen.
Von Gsies aus sind es rund vierzig Minuten mit dem Auto. In der Hauptsaison ist die Zufahrt tagsüber reguliert; in den frühen Morgenstunden ist sie meist frei. Ein Grund mehr, früh zu fahren.
Der Weg um den See
Der Rundweg misst knapp vier Kilometer und ist auch mit Kindern gut zu gehen. Wer mehr will, steigt weiter Richtung Grünwaldtal auf. Drei Dinge sollte man dabei nicht vergessen:
- Festes Schuhwerk — die Uferwege sind stellenweise wurzelig und feucht.
- Eine Schicht mehr Kleidung, denn am Wasser bleibt es lange kühl.
- Respekt vor dem Ort: Drohnenflüge sind untersagt, und der See ist kein Badesee.
Der Berg schenkt seine schönsten Bilder denen, die früh genug aufstehen.
Gegen neun Uhr füllt sich der Parkplatz. Dann ist es Zeit zu gehen — mit dem guten Gefühl, den See in seiner schönsten Stunde für sich gehabt zu haben.
Pragser Wildsee